Archiv der Kategorie: Vermischtes

Che

2016-07-13 17.13.28 Kopie

 

Geliebt in aller Welt,
Che Guevara, unser Held,
fand hier eine neue Bleibe:
hinter eines Bullis Scheibe,

dreht sich sacht & leise,
oberhalb der Lüftungsschneise,
still und friedlich eingehegt,
über Bambis Blumenbeet.–

Kunscht!

Denis Scheck, Deutschlands bekanntester Literatur-Nudel, reicht es nicht mehr, durch die literarische Welt zu jetten, um in der Wüste, zu Berge oder an kalifornischen Stränden anderen Literatur-Nudeln überflüssige Fragen zu stellen; nein, da geht noch mehr: etwa die Moderation der SWR-Sendung ›Kunscht!‹, die das Teigwaren-Regal erweitert um Künschtler wie den Okschenknecht & den Alfonsch.–

Willy wählen!

Willy wählen!Ich erinnere mich noch gut an den November 1972. Gerade in die 4. Klasse versetzt (»Burkhards gute Leistungen und sein offenes Wesen werden durch ungestüme Temperamentsausbrüche beeinträchtigt«), schmückte wochenlang jener ›Willy wählen‹ – Button erst die ›Windjacke‹ genannte Polyester-Zumutung mit Strickbündchen, dann den Anorak.

Während zu Hause mein Vater mit meiner Mutter ein taktisches Wahlbündnis schmiedete – er wählte zum ersten Mal mit beiden Stimmen die Sozen & meine Mutter mit ihrer Zweitstimme die FDP –, zog unser Klassenlehrer alle Register, um uns Dötzchen vor dem Kommunisten und Landesverräter Herbert Frahm Angst zu machen.

Er illustrierte das gerne mit Geschichten aus der Universität Köln, wo er gerade sein 2. Staatsexamen abgelegt hatte. Dort sei, so schimpfte er lauthals tagaus, tagein mit roter Rübe, ein unglaubliches Chaos ausgebrochen: die männlichen Studenten trügen die Haare bis zum Arsch & sähen aus wie Mädchen, und diese wie jene legten unisono die Füße auf die Tische & tränken Cola während der Vorlesung! Ob unseren Eltern denn überhaupt klar sei – und dabei nahm er uns paar Willy-Button-Träger in seinen wirren & aufgeregten Blick –, daß mit dem Extremisten Brandt dieser langhaarige Abschaum in Kürze dieses Land regieren werde?

Natur- & altersgemäß hatten wir diesen ungestümen Temperamentsausbrüchen nichts entgegenzusetzen, und ein bißchen Angst bekam ich schon. Meine Eltern hingegen ließen sich nicht irritieren und wählten Willy. Daß aus dem großen Aufbruch nichts wurde, nahm mein Vater gelassen hin. Er war der klassische Wechselwähler & bildete auch fürderhin mit meiner Mutter stets ein Wahl-Team. Sie wählten noch ein weiteres mal ›fortschrittlich‹, nämlich jene Truppe, die die Zerstörung Jugoslawiens mitverantwortete & Hartz IV auf den Weg brachte – ersteres empörte meinen Vater, letzteres fanden beide gut. Beide hassten Hitler und anerkannten die Schrecken des Holocaust‘, glaubten aber gleichwohl, daß die Juden in Israel nicht wiederholen dürften, was ihnen selbst widerfahren war. Ich glaube, sie würden heute Merkel wählen.–