Mit ‘USA’ getaggte Artikel

Pete Dexter: Paris Trout | *****

Donnerstag, 19. August 2010

18581_Dexter_Paris_BS_1.indd

In Paris Trout, dem ebenfalls mit dem National Book Ward ausgezeichneten Roman des amerikanischen Drehbuch-Autors und Romanciers Pete Dexter, wird eine düstere Geschichte erzählt, die sich in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in einem Provinznest in den Südstaaten der USA ereignet: Paris Trout, ein rassistischer und perverser Ladeninhaber und Kredithai, ermordet aus nichtigem Anlaß ein farbiges Mädchen. Alle - halbherzigen - Versuche, ihn dafür zur moralischen und juristischen Verantwortung zu ziehen, scheitern, weil fast alle an der Ermittlung Beteiligten einem gesellschaftlichem Umfeld entstammen, in dem die Ermordung einer Farbigen wenig mehr als eine Ordnungswidrigkeit gilt. Lediglich der Anwalt des Beschuldigten verändert seine Haltung im Laufe der Ermittlungen, deren Ende in eine Katastrophe mündet. Lakonisch geschrieben und elegant komponiert, ist dieses Buch eine nachdrückliche Empfehlung für Liebhaber sozial und politisch grundierter Gesellschaftsromane | BS |

S. Fischer | 2010 | 415 Seiten | Taschenbuch | 9783596185818 | € 9,95

Denis Johnson: Ein gerader Rauch | **

Freitag, 13. August 2010

johnson_rauch1

Der vorliegende voluminöse und mit dem - neben dem Pulitzer-Preis - wichtigsten amerikanischen Literaturpreis, dem National Book Award, ausgezeichnete Roman des renommierten Autors Denis Johnson - der auch von uns durchaus geschätzt wird - ist eine Enttäuschung. Ein gerader Rauch versucht zuviel und scheitert daran. Johnson erzählt von menschlichen Schicksalen rund um den Vietnam-Krieg - von den dräuenden Verhältnissen auf den Philippinen in den den frühen 60er Jahren, wo sich die zukünftigen Konflikte in Vietnam bereits am Horizont ankündigen, bis zu den eigentlichen Verwicklungen im schmutzigen Krieg in Vietnam und Kambodscha: eine christliche Krankenschwester, ein  CIA-Agent , ein ermordeter Priester und ein Vietcong-Agent bilden das Personal in diesem Roman, der sowohl Ereignisgeschichte abbilden als auch ideengeschichtliches Traktat über Sinn und Unsinn menschlichen Lebens und Sterbens sein will - weder das eine noch das andere gelingt. Schade! | BS |

Rowohlt | 2010 | 887 Seiten | Taschenbuch | 9783499240416 | € 12.-

Richard Price: Cash | ****

Freitag, 06. August 2010

price_cash

Cash ist kein Kriminal-, sondern ein urbaner Gesellschaftsroman, angesiedelt in New Yorks Lower Eastside, dem historischen Einwanderer-Viertel, das in seinen Anfängen hauptsächlich von jüdischen Exilanten bevölkert wurde, später dann auch von Chinesen, Italienern und Latinos. Bis in die frühen 80er Jahre war die LES eines der abgewracktesten Stadtquartiere New Yorks, bevor es im Laufe der nächsten zehn Jahre von der kulturellen Boheme besiedelt wurde, um seit den späten 90ern einer fortlaufenden Gentrifizierung ausgesetzt zu sein. Ausgehend von einem nächtlichen Mord und dessen Aufklärung entwickelt der Autor eine spannende Geschichte, deren Personal – gestresste Polizisten, Drogen dealende Jugendliche, kellnernde Künstler – authentisch und glaubwürdig ist. Sehr gut! | BS / AS |

S. Fischer | 2010 | 521 Seiten | Hardcover | 9783100608109 | € 19,95

Nick McDonell: Ein hoher Preis | ***

Dienstag, 03. August 2010

Layout 1Dieser Polit- und Geheimdienstthriller enthält alles, was das Genre verlangt: CIA-Agenten, zwielichtige „Freiheitskämpfer“ am Horn von Afrika und idealistische Intellektuelle, die Opfer von politischer Desinformation und Verleumdung werden. Der Autor kann gut und flott schreiben, allein die Charaktere dieser spannenden Geschichte bleiben doch an etlichen Stellen etwas blaß. Graham Greene, der vom Verlag bemühte Referenz-Autor, läßt zwar grüßen, aber aus großer Ferne | BS |

Berlin Verlag | 2010 | 302 Seiten | Hardcover | 9783827009449 | € 22.-

Philip Roth: Die Demütigung | ****

Mittwoch, 16. Juni 2010

roth_demutigungDas ist wahre Meisterschaft: Obwohl die Themen „alter Mann, junge Frau“ und „Erlösung durch Sex“ sich durch einen großen Teil der Werke von Philip Roth ziehen, gelingt es ihm immer wieder, uns mit wenigen Sätzen in den Bann zu schlagen und seine Bücher zu verschlingen. Dieser kleine Roman erzählt die Geschichte des Theaterschauspielers Simon Axler, der alle wichtigen Rollen in seinem Leben gespielt hat und nun, Anfang sechzig, seine Lebenskrise hat. Er will nicht mehr auf die Bühne, da er sich hier nur noch lächerlich vorkommt, seine Frau hat ihn verlassen, und sein Agent schafft es nicht, ihn zu einem Comeback zu bewegen. Nach einem Sanatoriumsaufenthalt bekommt er überraschenden Besuch von der lesbischen Tochter eines befreundeten Paares.
Bevor man denkt, dass jetzt sämtliche Klischees bedient werden, versteht es Roth, uns mit diesem tragischen Porträt eines alternden Mannes zu fesseln | AS |

Hanser | 2010 | 138 Seiten | Hardcover | 9783446234932 | 15,90 €

Peter Linebaugh / Marcus Rediker: Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks | *****

Sonntag, 30. Mai 2010

linebaugh_hydraDie beiden amerikanischen Historiker beschreiben den Aufstieg des britischen Empire und die Entfaltung des Kapitalismus aus einem radikal anderen Blickwinkel. In der Frühzeit des Kapitalismus, von der Mitte des 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, einer Periode, die Karl Marx als „ursprüngliche Akkumulation des Kapitals“ definierte, wurden die Grundlagen für den Aufstieg Großbritanniens zur führenden, europäischen Macht gelegt. Der Reichtum einer kleinen besitzenden Klasse entstand durch Ausbeutung, Gewalt, Terror und Sklaverei. In England wurde ein großer Teil der Landbevölkerung durch Einzäunungen von der Allmende, dem bisherigen Gemeineigentum, ausgeschlossen, in Arbeitshäusern versklavt oder zwangsweise zum Militär und zur Marine gepresst. Das britische Empire ließ Irland, Nordamerika und die Karibik kolonisieren. Sklavenschiffe transportierten hunderttausende Afrikaner in die Karibik und die nordamerikanischen Kolonien. Die Ureinwohner Amerikas wurden unterworfen. Dies ist die Geschichte der Unterdrückten und Kolonisierten auf beiden Seiten des Atlantiks, die vielfältige Formen des Widerstandes praktizierten, die teilweise miteinander vernetzt waren und in unzähligen Revolten, Aufständen, aber auch als Piraten die Herrschenden in Angst und Schrecken versetzten und diese von einer „vielköpfigen Hydra“ fabulieren ließen, der für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue wachsen. Den Autoren ist ein Meisterwerk einer Geschichtsschreibung der sozialen Bewegungen gelungen, das allgemein verständlich und gut lesbar ist |AS|

Assoziation A | 2008 | Paperback | 427 Seiten | ISBN 9783935936651 | € 28,00 |

Hans Ulrich Gumbrecht: California Graffiti | **

Montag, 26. April 2010

gumbrecht_californian

Die Themen dieses Essay - Bandes reichen von Betrachtungen zum intellektuellen und akademischen Leben und über die verschiedensten Aspekte der amerikanischen Alltagskultur bis zu Besuchen bei Gottesdiensten und in Trailer - Parks. Der deutsche, in Kalifornien lebende und lehrende Kulturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht hat durchaus Interessantes und Kluges zu diesen Themen mitzuteilen.  Ärgerlich ist jedoch, daß der Autor durch eine Vielzahl persönlicher (und oft langweiliger) Anekdoten und mittels einer eitel-manierierten Sprache sich wichtigtuerisch vor die Gegenstände seiner Betrachtungen schiebt, was die Lektüre teilweise unerträglich macht | BS |

Hanser | 2010 | 207 Seiten | Hardcover | 9783446235151 | € 15,90

Adrian McKinty: Der sichere Tod | ****

Sonntag, 11. April 2010

mckinty_sichereNach misslungenen Betrügereien setzt sich der junge Protagonist Michael Forsythe Anfang der 90er-Jahre aus Belfast ab, um als Illegaler in New York sein Glück zu finden. Schnell steigt er in der irischen Gang von Darkey White auf, die in den verwahrlosten Straßenzügen zwischen Harlem und der Bronx von Drogenhandel und Schutzgelderpressung lebt. Als Michael eine Liaison mit Darkeys Freundin beginnt, ist seine Karriere jedoch ziemlich schnell zu Ende, so scheint es zumindest…Dem Autor gelingt ein temporeicher Krimi noir mit treffenden Dialogen und einem gekonnt inszenierten Plot. Wir freuen uns jetzt schon auf den zweiten Teil der Dead - Trilogie! | BS / AS |

Suhrkamp | 2010 | 464 Seiten | Taschenbuch | ISBN 9783518461594 | € 9,95

James Sallis: Deine Augen hat der Tod | *

Dienstag, 23. März 2010

sallis_augenVor vielen Jahren war David Angehöriger einer Eliteeinheit der CIA. Jetzt ist er Künstler geworden, der die Gespenster aus seinem Kopf auf die Leinwand bringt. Da wirft ihn ein Anruf der Agency aus dem Bett der schönen Geliebten. Ein Serienkiller zieht eine Blutspur durch die USA. Wahrscheinlich gehörte er zum gleichen Kommando wie David, und nur er kann das Töten beenden. Es folgt eine wirre Superman-Geschichte, die quer durch die Vereinigten Staaten führt und in einem abstrusen Showdown endet. Wir empfehlen daher, entweder einen James-Bond Film anzuschauen - denn der ist lustiger - oder den wirklich spannenden und überzeugenden Noir-Thriller Driver des gleichen Autors | AS / BS |

Heyne | 2010 | 192 Seiten | Taschenbuch | ISBN 9783453434417 | € 7,95

James Ellroy: Blut will fließen | *****

Dienstag, 23. Februar 2010

ellroy_blut Der letzte Teil der Underworld-Trilogie spielt in den Jahren 1968 bis 1972, also in der Zeit von der Ermordung Robert Kennedys und Martin Luther Kings bis zur Watergate Affäre. Korrupte, rassistische Cops versuchen einen Überfall auf einen Geldtransporter aus dem Jahr 1964 aufzuklären, welcher der Schlüssel für alle folgenden Ereignisse ist. In weiteren Rollen finden wir Mafiatypen, Exilkubaner, den wahnsinnigen Milliardär Howard Hughes, FBI Chef Edgar Hoover und Präsident Richard Nixon. Ellroy liefert Stoff für unzählige Verschwörungstheorien. Er montiert Handlungsfetzen, Dokumente, Telefongespräche und Tagebuchnotizen zu einem gewaltigen Epos des reaktionären Untergrunds der jüngsten US-Amerikanischen Geschichte. Selten hat es mehr Spaß gemacht, sich vom Großmeister des abgedrehten Krimis in eine Parallelwelt entführen zu lassen | AS |

Ullstein | 2010 | 783 Seiten | Hardcover | 9783550086779 | € 24,90